Podcast #004

Schuld, Glaube, eigene Grenzen, Glück.

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Warum ist das eigentlich so, dass wir alle immer jemanden brauchen, der die Schuld trägt?

Alex und Erik stellen sich in diesem Podcast diese Frage, und beleuchten dabei unter anderem den Glauben. Die beiden tauschen sich darüber aus, was Schuld bei uns bewirkt, und wie damit umgegangen wird. Schließlich gelangen die beiden zum Thema Glück.

Alex & Erik haben sich auf den Weg gemacht, eine Community für starke Männer und solche, die es werden wollen, zu gründen. Und dabei geht es nicht um körperliche Kraft, sondern um ein starkes SELBST-BEWUSST-SEIN und das bewusste SELBST-WERT-GEFÜHL. Sie wissen noch nicht, wo sie der Weg hinführen wird und so ist auch dieser Podcast der Einstieg in ein großes Experiment. Ausgang ungewiss.

Wir laden Dich ein, dabei zu sein. Zu folgen, zu lauschen und Dich mit Fragen und Kommentaren einzubringen.

Transkript zum Lesen:

 

Schuld, Glaube, eigene Grenzen, Glück.

 

ALEX: Ja, was gibt’s Neues? Nix.

ERIK: Nicht so, ja, es gibt ganz viel Neues, irgendwie. Also, ich finde, das Leben bringt einen ja ständig irgendwie an seine Grenzen und wir sind ständig irgendwie dabei, uns auszuloten und so auch in dieser Woche. Ja, waren doch so eine einige Dinge, die sich so auftaten, wo ich dachte, Mensch, schau da mal hin.

ALEX: Ok, was denn, zum Beispiel?

ERIK: Zum Beispiel waren da so Dinge wie jetzt gerade hier in Pandemie-Zeiten und so, dass in meinem Bekanntenkreis jemand mit einem Silvester gefeiert hat, der plötzlich irgendwie Covid hat. Und ja und dann ging das eben los, ein bisschen. Na was macht man jetzt? So ein bisschen in Panik verfallen? Habe ich das jetzt auch? Diese Ungewissheit und ein bisschen Angst? Die eine, die war gar nicht eingeladen, die Covid hatte. Ja, das war nämlich die Person zu viel, vielleicht sogar ja. Wer ist es jetzt schuld? Haben wir Schuld auf uns geladen? Dadurch, dass wir jetzt nicht gesagt haben, Hau ab, sondern wir nett waren und gesagt haben, mache ja gern mit bei uns Silvester und ja, da war ganz, ganz viel somit Zuweisungen und ja, dieses Schuld-Thema war tatsächlich ein richtiges Thema.

ALEX: Okay, verstehe deswegen das Thema heute.

ERIK: Deswegen auch das Thema heute. Ja, das kam mir deswegen so mal so schnell. reingeschossen irgendwie, dass ich gesagt habe, da können wir auf jeden Fall mal hingucken.

ALEX: Ja, okay. Und. Ja, dann leg los.

ERIK: Ja, weil ich habe mich einfach gefragt warum geht es? Also ich habe keinem Schuld geben wollen für irgendwas, weil es hat sich alles aufgelöst. Dieser Covid ist nicht übergesprungen. Also alle sind gesund geblieben. Ich bin dadurch auch jetzt nicht gefährdet und gesund geblieben. Aber ich habe Keinem irgendwie versucht, da irgendwie eine Schuld zu geben. Aber ich habe das bei den anderen so festgestellt und da habe ich mich gefragt, warum tue ich das jetzt nicht und die anderen machen das? Und was ist da genau das Thema oder was ist bei mir anders als bei jemandem, der wahrscheinlich für sein Seelenheil irgendwie einen Schuldigen sucht.

ALEX: Wer hat genau wem die Schuld gegeben?

ERIK: Also das sind mehrere Geschichten gewesen. Auf der einen Seite die Schuld sich selbst gegeben, ja sich selbst schuldig gefühlt, weil wir eben diese Person, die zu viel war, trotzdem reingelassen haben, dann doch die Schuld im Nachhinein von denen, die jetzt dadurch gefährdet gewesen wären eventuell, die dann auch der dann wiederum die Schuld gegeben haben, Mensch, warum habt ihr euch denn nicht ganz richtig konform verhalten? Dann wäre das doch nicht so weit gekommen. Und das waren diese Schuld-Geschichten.

ALEX: Also wenn man, wenn man sich an Regeln hält, dann wird man nicht krank.

ERIK: Womöglich ja. Aber ich habe das jetzt aber auch nur so als ein Indiz, so ein Beispiel gesehen für meine allgemeinere Haltung und eine allgemeinere Ansicht zu finden. Wie entsteht da so eine Schuld? Warum brauchen wir Schuld? Warum müssen wir einen Schuldigen haben? Wann müssen wir jemanden an den Pranger stellen? Warum müssen wir immer irgendjemanden haben, der in Verantwortung ist für gewisse Dinge? Was, was ist das Richtige da für uns jetzt?

ALEX: Ja, natürlich. Also dass das entsteht natürlich irgendwie automatisch. Warum, kommen wir vielleicht nochmal drüber reden? Aber jetzt nochmal die eine Frage und die Person jetzt mal die eine Frage. Die Person, die tatsächlich infiziert war, hat die auch irgendetwas gehabt, Schuld mäßig? Hat die sich auch irgendwie gefühlt, oder?

ERIK: Weiß ich gar nicht.

ALEX: Die war Teil der Diskussion?

ERIK: Die war nicht Teil der Diskussion. Die hat ja nicht gewusst, dass sie es hat, die konnte ja nix dafür. Irgendwie. Sie ist ja nicht irgendwie fahrlässig dahingegangen in dem Wissen, dass sie Covid hat. Nein.

ALEX: Das wäre ja dann schon fast vorsätzlich gewesen.

ERIK: Ja, genau das wäre schon vorsätzlich gewesen. Das ist nicht der Fall gewesen. Sie wusste das ja selbst nicht. Das hat sich nur herausgestellt im Nachhinein. Dann, zwei Tage später, war die eben mit Krankheitssymptomen beim Arzt gewesen. Wir haben Test gemacht und die war positiv und damit wurden natürlich alle anderen wie das so ist, wenn du einen Stein ins Wasser wirfst, da fängt an die Welle zu kommen, die nach außen schwappt und da wurden die Wellen überprüft, wo die hin geschwappt sind. Und nun war aber Gott sei Dank relativ schnell Schluss, sodass die anderen beiden mit denen, die gefeiert hatten, dass nicht hatten. Und insofern sind wir natürlich auch frei, fein raus. Also das jetzt zu dem, zu dem Thema an sich. Aber um dieses, dieses Ding ging es mir eigentlich gar nicht.

ALEX: Ja, nee, es geht mir es eigentlich nur darum, das Bild mal rund zu kriegen. Und die Frage für mich ist, was du gesagt hast. Wie kommt das, dass da Schuldgefühle entstehen? Zum einen glaube ich, wenn irgendetwas passiert, weil du vielleicht Regeln übertreten hast, dann ist ja schon die Frage, wer ist schuld an der Regelübertretung. Und das kommt ja ganz schnell.

ERIK: Ja, aber wofür brauche ich das denn?

ALEX: Ja gut. Das ist die andere Frage.

ERIK: Das ist, finde ich, die wichtige Frage. Für mich ist das die wichtigste Frage. Wer sagt uns? Oder wer ist einmal zu uns gekommen und hat gesagt, wenn irgendwas ist, dann müssen wir einen Schuldigen haben.

ALEX: So sind wir groß geworden.

ERIK: Ja, aber *WTF*. Also, das ist doch unglaublich. Und wo kommt das her?

ALEX: Ich bin da ehrlich gesagt, was das Thema angeht, ich kenne das ja auch aus allen möglichen Zusammenhängen. Aus Partnerschaften kennt man das ja auch das Thema Schuld. Also du bist schuld, dass es mir nicht gut geht zum Beispiel, oder ja. Wir müssen jetzt mal klären, warum das überhaupt so entstanden ist. Und überhaupt, Du bist schuld, weil du immer so doof bist, oder? Warum auch immer. Und ich habe also ich habe schon unabhängig davon, wie meine persönliche Entwicklung in den letzten Jahren war, schon sehr, sehr lange mit diesem Thema für mich persönlich ehrlich gesagt abgeschlossen, weil ich grundsätzlich, also für mich zumindest erkannt habe, nach einem Schuldigen zu suchen löst kein Problem. Löst 0,0 Problem. Du kommst nicht vorwärts, solange du nach hinten guckst, weil einen Schuldigen zu suchen bedeutet ja immer nach hinten zu gucken. Es löst aber kein Problem. Also wenn du, wenn irgendein Kind jetzt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist, im Brunnen gefallen ist, dann musst du zusehen, dass du da rauskriegst. Warum das Kind da reingefallen ist und wer möglicherweise daran schuld ist, nutzt in dem Moment ja nix. Gleichwohl glaube ich, dass es für einen, wie soll ich sagen, so ein allgemeines Empfinden von Gerechtigkeit und eine allgemeine Stabilität notwendig ist, solche Dinge dann auch aufzuklären. Also, wenn keine Ahnung aufgrund von irgendeiner Nachlässigkeit oder vielleicht sogar grober Fahrlässigkeit oder sogar Absicht jemand zu Schaden kommt, dann muss das doch geklärt werden.

ERIK: Ja, eine Klärung finde ich auch total wichtig, erst mal das Kind aus dem Brunnen zu holen, um im Bild zu bleiben und sich danach darüber zu unterhalten. Wie ist es dazu gekommen? Aber warum brauchen wir immer einen, den wir an den Pranger stellen? I

ALEX: Ich brauche den nicht. Also deswegen weiß ich nicht, …

ERIK: Ich brauche ihn auch nicht, aber guckt doch mal in unsere Gesellschaft. Wir brauchen immer jemanden, der schuld ist. Okay, bei Gerichten sowieso. Die Kirchen haben meines Erachtens ein bisschen damit angefangen. Das will ich auch gar nicht weiter werten. In den damaligen Zeiten war das vielleicht auch wichtig.

ALEX: Nö, dass manchen die heute noch so.

ERIK: Ja, das machen wir heute noch ein bisschen latenter. Aber auf jeden Fall machen sie es noch.

ALEX: Noch ziemlich, ziemlich manifest. Also na ja, es gibt ja, …

ERIK: Wir verlieren gerade Seminarteilnehmer, die gläubig sind, deswegen müssen wir ein bisschen vorsichtig sein. Nein, Quatsch. War Spaß.

ALEX: Also ich, ich. Ich bin ja auch nicht gegen Glauben an sich. Also ich meine, ich darf sowieso glauben, was er will. Aber Glauben gibt ja auch sehr viel Sicherheit und Stabilität und Rückhalt. Und wir alle und das ist sowieso interessant, wir alle glauben ja sowieso an irgendetwas. Na, das ist vielleicht nochmal ein Thema für eine eigene Folge. Aber du musst nicht an Gott glauben. Selbst wenn du nicht an Gott glaubst oder an das Nichts glaubst, glaubst du ja an das Nichts. Auch das ist ja nicht bewiesen. Und das ist nicht beweisbar. Also wir wissen ja nicht, was da ist. Wir wissen nicht, wo wir herkommen, warum wir überhaupt hier sind. Jeder glaubt da irgendwas. Und auch der, der an nichts glaubt, der glaubt an das Nichts. Also wir glauben sowieso alle an irgendetwas.

ERIK: Sonst wird es ja auch nicht Glauben, sondern Wissen heißen.

ALEX: Genau, so. Was aber in der Kirche tatsächlich stattfindet, soweit ich das überblicken kann. Ich war schon länger nicht mehr da, aber ich habe ja eine katholische Sozialisation, insofern weiß ich schon, was ich da rede. Es gibt unterschiedliche Gebete, die sozusagen auch in einem Gottesdienst und so weiter stattfinden, wovon schuld die Rede ist und wo es auch darum geht, dass du dir selbst sagst, dass du der Schuldige bist. Und das findet im Grunde genommen schon im Kindesalter statt, nämlich wenn du zum Kommunionunterricht gehst und so weiter, geht der ganze Spaß ja schon los. Also die Kirche ist sehr darauf bedacht, in all ihren Riten dir eine gewisse Schuld einzureden. Das ist schon so. Und das ist sozusagen, dass das Universum keine Schuld kennt, habe ich erst vor wenigen Jahren erfahren. Obwohl ich mir da auch nicht so ganz sicher bin.

ERIK: Ja, aber ich glaube, es gibt da verschiedene Art und Weisen, mit Schuld umzugehen. Ich habe mal von einem Ritual gehört auf Hawaii. Bei den hawaiianischen Stämmen ist das so, sollte da einer mal was Böses getan haben. Er hat geklaut. So um jetzt ein Beispiel zu nennen. Hat in der Küche was geklaut, was ihm nicht zustand, sondern der Allgemeinheit eben gehörte.

ALEX: Da gibt es dann Kulturen, die hacken mir dafür die Hand ab.

ERIK: Ja, das sind die Einen. Genau, die gibt es auch. Und da gibt’s eben die, die hawaiianischen, die sagen, okay, komm, der ist erwischt worden. Der muss natürlich Ausgleich zahlen, das heißt, der muss den Schaden ersetzen, wie auch immer. Wenn er ein Brot geklaut hat, kann er das natürlich schwer ersetzen. Entweder backt er ein Neues oder aber er macht einen Ausgleich diesbezüglich. Aber es findet ein Tribunal statt, wo alle Geschädigten zusammenfinden, ihn in der Mitte Platz nehmen lassen und dem Angeklagten sagen, was sie an ihm schätzen. Wie wichtig er für diese Gemeinschaft ist und dann, wird er feststellen, meine Güte, wo bin ich hier? Wie bin ich behütet? Wie bin ich aufgefangen? In welchem Nest? In welchem Raum befinde ich mich? Mit wieviel Wertschätzung werde ich hier gesehen? Ich brauche niemals zu klauen. Wenn ich jemanden gefragt hätte, hätte ich das bekommen, Beispielsweise. Oder, er empfindet so viel Scham, dass er das nächste Mal sagt, okay, ich halte mich zurück, weil ich mich hier einfach so wohl fühle und das ist, glaube ich, der der total schöne Aspekt der Bestrafung oder in Anführungsstrichen. Einfach jemandem zu sagen, guck mal, wo du hier dich befindest, in welcher wertschätzenden Umgebung, wie toll wir alle mit dir sind, anstatt praktisch ja in Schuld jemanden gehen zu lassen oder auszustoßen oder ja zu, ….

ALEX: Ja wahnsinnig tolle Kultur. Nelson Mandela hat das glaube ich, auch in Südafrika in ähnlicher Art und Weise praktiziert, auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene. Als er dann aus dem Knast gekommen ist und Präsident wurde, hatte er ja sozusagen dieses Postulat der Versöhnung mehr angestrebt. Großartige Geste, unfassbar.

ERIK: Ja und Schuld und Vergebung sind da ja auch irgendwie so zwei Kois in einem gleichen Teich, finde ich. Und wenn ich mich schuldig fühle, woher kommt das überhaupt, dass ich mich selbst schuldig fühle? Ist die Gesellschaft, die Kirche, die Erziehung tatsächlich so stark gewesen, dass es mir Schuld einredet? Und wenn ich mich selbst schuldig fühle in gewissen Dingen? Wie habe ich die Möglichkeit, mir zu vergeben, damit ich diese Schuld nicht irgendwie als Gram mitnehme, weil jemand, der sich schuldig fühlt, es doch nie in Kraft?

ALEX: Also ich glaube, zunächst einmal, es gibt’s da so ein Aspekt. Also ich will eigentlich niemand was Böses. Nein, nicht eigentlich. Ich will niemandem was Böses. Und wenn durch ein Missgeschick oder durch Fehlverhalten oder Fehlverhalten es auch schon wieder eine Wertung, aber durch ein Verhalten meinerseits jemand anders zu Schaden kommt oder sie vielleicht schlecht fühlt, dann kriege ich ein schlechtes Gewissen, weil ich das ja eigentlich nicht möchte. Also ich glaube, das kann schon so oft eine natürliche Art und Weise entstehen. Auf der anderen Seite ist es natürlich extrem stark verstärkt worden dadurch, dass uns z. B. eine Mutter irgendwann mal erzählt hat. Also wenn du dich so und so benimmst, dann bin ich ganz traurig, dann fühle ich mich nicht gut. Und ich als Kind denke dann Huch, ich habe was falsch gemacht, jetzt muss ich ein schlechtes Gewissen haben, oder weil ich will ja eigentlich nicht, dass es meiner Mama schlecht geht.

ERIK: Aber jetzt bin ich schuld, weil ich mich so und so verhalten habe.

ALEX: Und jetzt bin ich schuld, weil ich mich so und so verhalten habe. Genau. Ja. Okay.

ERIK: Ja. Was für eine seelische Grausamkeit das ist, was wir unseren Kindern antun.

ALEX: Das ist brutal. Ohne. Und das Interessante ist es gibt ja eigentlich, …

Ich habe also gerade in der jüngsten Vergangenheit mal intensiv über das über die Frage von Grenzen setzen nachgedacht, weil ich das an irgendeiner Stelle habe ich einen Post gesehen oder irgendwo was, wo es genau um diese Frage ging, nämlich, wie schütze ich meine eigenen Grenzen, damit ich nicht sozusagen über meine Grenzen hinaus gehe im Sinne von, dass es mir tatsächlich schlecht geht und ich mich selber verletze. Also wie schütze ich mich nach außen, damit es mir selbst weiterhin gut geht? Das Interessante ist, dass Grenzsetzung, also zumindest im familiären Kontext immer mit einer Zurückweisung einhergehen. Oder fast immer. Also ein Kind will irgendwas von mir. Meine Frau will irgendwas von mir und ich möchte mich aber schützen. Also weise ich sie zurück, weil ich sage, ich möchte jetzt gerade nicht. Ich kann jetzt gerade nicht. Ich will, was auch immer. Und dann ist das auf der anderen Seite eine Zurückweisung. Und das macht die Sache so extrem schwierig mit diesen Grenzen ziehen und Grenzen setzen. Weil es ja auf der anderen Seite tatsächlich eine Zurückweisung müssen wir alle kennen das umgekehrt auch. Also wenn andere sagen, ich will jetzt nicht, was auch immer, dann kann es sein, dass ich mich verletzt fühle. Und als Kind kann ich das nicht reflektieren. Als Kind, nehme ich nur wahr, oh die mag mich jetzt nicht. Oder der mag mich jetzt nicht?

ERIK: Genau. Obwohl ich glaube auch ganz viel da, was du gerade sagst. Dieses Grenzen setzen, ganz klar auch das Wording. Wie tue ich das? Auf welche Art und Weise mach ich das? Wertschätzen kann. Ich kann auch in Liebe nein sagen. Ich kann aber auch in sehr, sehr drastisch und mit drastischen Worten, nein sagen. Also sehr energisch sein. Aber ich kann auch alles mit Liebe machen.

ALEX: Und wird das dann immer auch anerkannt, wird das dann auch respektiert?

ERIK: Ich glaube, dass es ein Unterschied ist, wenn ich ihn, wenn ich das sogar sage ich sage häufiger mal, du ihn liebe, nein.

ALEX: Zu Erwachsene oder auch zu Kindern?

ERIK: Auch zu Erwachsenen.

ALEX: Klar, da geht das ja auch. Also kann ich ja auch der Meinung sein. Also wenn du jetzt das als Zurückweisung wahrnimmst, dann ist das ja dein Thema und nicht meins. Aber ja, bei Kindern. Ich finde das schwierig.

ERIK: bei Kindern ist es vermutlich tatsächlich schwierig. Meine mein Sohn ist jetzt 22. Das ist ein bisschen her, aber ich erinnere mich ganz gut, dass eine Zurückweisung mir immer schwerfiel, ihn zurückzuweisen. Und ich immer versuchte, den Weg zu finden, eine Erklärung hintendran zu stecken. Was ich aber häufig auch als Fehler herausstellte, weil, ja weil in der Erklärung auch häufig dazu nutzt, nachher unglaubwürdig zu sein. Durch die Erklärung macht man sich häufig unglaubwürdig und insofern ein klares Nein braucht keine Begründung. Und wenn dieses nein klar mit Respekt und wertschätzend ausgesprochen wird, macht man keine Fehler.

ALEX: So, und jetzt nochmal zurückzukommen auf das von vorhin. Wenn ich also Grenzen setze, dann kann es sein, dass ich mein Kind dadurch verletze. Und das war ja eigentlich keine böse Absicht. D.h. die Frage ist, kann man sich überhaupt korrekt verhalten? Kann man sich sozusagen nicht schuldig machen. Um mal auf den Schuld-Begriff an der Stelle zurückzukommen, ja.

ERIK: Das ist wirklich eine ganz, ganz gute Frage, weil die die Schuld liegt ja auch immer im Anderen, wie sieht der das. Wenn jetzt bei meinem Kind z. B. wie du vorhin sagtest. Wenn du dich so und so verhältst, dann bin ich ganz traurig. Dann gibst du natürlich dem Kind die Schuld. Aber in dem Augenblick, wo ein Kind zu dir kommt und sagt Papa, willst du mit mir spielen? Und du sagst du, ich kann gerade nicht in Liebe, nein. Später.  Dann glaube ich, ist das nichts, wo ich mein Kind in irgendeiner Form oder auch mir selbst schuld auflade. Das glaube ich nicht, dass ist auf sich Acht geben, das ist für sich sorgen. Ich glaube, dass es ein höchstes Gut an Selbstliebe. Was ich da nach außen trage. Und ich glaube, dass wir damit sogar Vorbilder sind für unsere Kinder, sich auch mal abzugrenzen. Nicht jedes, alles mitzumachen, sondern nein sagen, darf man lernen. Und ich glaube, die Art und Weise, nein zu sagen, ist eine ganz, ganz wichtige. Ganz sicher. Um eben nicht schuldig zu werden oder nicht Schuld auszulösen.

ALEX: Du meinst, du solltest einen Ticken früher nein sagen, bevor du dich sozusagen schuldig machst, weil du durch Überforderung oder aus welchen Gründen dann Dinge tust, die du vielleicht hinterher bereust.

ERIK: Richtig, aber in dem Augenblick, wo du dich selbst kennst, so wie du jetzt gesagt hast, du beginnst Grenzen zu setzen. Ganz klare Zäune. Ja, wo du sagst, das ist mein Bereich. Über diese Grenzen möchte ich nicht gehen und ich möchte auch keinen bitten, über meine Grenzen zu gehen. Und wenn die klar kommuniziert sind, ja und wenn man nicht das als riesen Eklat sieht, wenn irgendjemand diese Grenzen überschreitet, sondern man ihn in Liebe darauf aufmerksam machen kann, dass es jetzt gerade nicht gut ist und das Du gerade grenzüberschreitend bist bei mir oder nur als Böser sagen möchte, übergriffig ist, ja, dann kann man das finde ich sehr, sehr gerne zum Ausdruck bringen, weil das ein höchstes Maß an Eigenliebe ist. Und wenn es dir gut geht, das ist ja dann auch wieder dieser Stein, der ins Wasser fällt, dann geht es dir gut. Und in dem Augenblick strahlt das auf die anderen auch wieder ab. Das heißt, die profitieren von deinen Grenzen.

ALEX: Heißt das, dass ich. Wie soll ich die Frage formulieren? Heißt das, dass ich mich schuldig mache, wenn ich nicht auf meine eigenen Grenzen achte?

ERIK: Ja. So kann man es sagen. Also wenn du mit diesem Begriff Schuld sprechen möchtest ja, ich finde, ich finde dieses Wort Schuld, das gibt bei mir keine gute Resonanz. Ich habe eher, ich würde da eher das Wort Verantwortung nehmen.

ALEX: Schuld ist ja auch ein juristischer Begriff. Es geht. Geht ja tatsächlich darum zu gucken, wer sozusagen für eine, für eine Werteverletzung wie eine Grenzüberschreitung, für einen Unfall oder was auch immer tatsächlich verantwortlich ist oder gemacht werden kann, im Zweifel. Klar geht es um die Verantwortung, die jemand hat für ein Ereignis X. Klar. Also insofern ja, Schuld ist ein juristischer Begriff. Und darum geht es ja letztendlich auch, also den Schuldigen zu finden, um mich vielleicht auch selbst zu entlasten. Aber der Begriff der Verantwortung trifft das natürlich in dem Moment sehr viel besser, weil ich dann quasi mich selbst in meine eigene Verantwortung bringen kann, wenn es darum geht zu gucken, dass ich meine Grenzen gewahrt sehe.

ERIK: Genau. Genau. Und in dem Augenblick eben auch für die anderen viel, viel berechenbarer bist. Jemand, der nicht sich selbst kennt, der nicht seine Grenzen kennt, der ist für die anderen total unberechenbar und ja auch wahrscheinlich auch schwierig zu händeln. Also, die Leute in meinem Umfeld und die kennen alle so meine Grenzen und wissen wie weit sie gehen können und wie weit ich tolerant bin und ab wann aber auch bei mir, also jetzt ist es aber auch gut. Ich werde da nicht böse. Ich sag einfach so und jetzt reicht’s. So ist das gut. Jetzt was weiß ich, möchte ich das jetzt hier beenden? Oder Für dieses Gespräch stehe ich nicht zur Verfügung mehr, weil es mir einfach nichts bringt oder weil es meine Grenzen einfach überschreitet. Und ich glaube, das ist ganz, ganz gut zu wissen. Für sich selbst erstmal, natürlich seine eigenen Grenzen zu kennen, seine seinen Toleranzen zu kennen, sich selbst zu kennen und damit eben auch den anderen ganz klar Orientierung zu geben.

ALEX: Wie kommt man in die Klarheit, um diese Grenzen bei sich selbst zu sehen? Ich weiß, dass es für mich ein langer Prozess war, aber der dauert ja immer noch an. Der ist doch noch lange nicht zu Ende.

ERIK: Nein. Und auch das verändert sich ja auch immer wieder. Meine Toleranzen verändern sich immer wieder dadurch, dass die Welt sich um mich herum ja auch immer wieder verändert. Und natürlich habe ich so meine Meilensteine, meine Entscheidung, meine Eckpfeiler. Oder wie hast du das mal genannt? Corners Stones?

ALEX: Ja, das war in einem anderen Zusammenhang.

ERIK: Aber vielleicht kann man das auch mal so nehmen, dass man so seinen Grund kennt, also die Grundwerte kennt. Ja, was sind meine Top 5 Werte in meinem Leben? Ja, wenn ich die kenne, kenne ich auch schon mal da wieder meine Grenzen. Wenn ich ein paar Dinge für mich definiert habe, was ist für mich beispielsweise Erfolg? Ja, das ist für jeden was anderes. Dann weiß ich, worauf ich, wo meine Grenzen liegen. Was für mich nicht Erfolg ist, da brauche ich nicht hingehen, sondern ich gehe dahin, wo mein Erfolg ist. Das heißt, die Richtung ist auch klar. Also das ist ja auch eine Art von Begrenzung. Insofern, dass ich weiß, ich will in diese Richtung gehen. Ich will nicht in die, ich will nicht, in die ich gehen, die. Und wenn man diese Dinge weiß. Du bist ja auch Segler, die sagen, wenn du dein Ziel nicht kennst, kommt jeder Wind ungelegen. Und genau so ist es dann ja auch. Und das ist aber ganz, ganz wichtig, um dich selbst kennenzulernen. Also ich habe mal so ein Entscheidungsbuch gemacht und in meinem Buch stehen alle wichtigen Entscheidungen über mein Leben drin. Alles, wo ich ja, die mein Leben im Prinzip meine Corners Stones sind. Wo ich, wo ich mich dran orientieren kann, mein Kompass.

ALEX: Und da bin ich aber neugierig.

ERIK: Total spannend, was da so alles drin. Aber hey, dass möchtest du wissen, was da drinsteht. Klar, klar, klar.

ALEX: Muss ja jetzt nicht sein. Aber Entscheidungsbuch, …

ERIK: Das ist ja für jeden anders. Ja, natürlich. Aber darum geht’s ja letztendlich.

ALEX: Aber die Methode finde ich interessant und vielleicht haben wir ja die Gelegenheit, die mal an anderer Stelle zu zeigen.

ERIK: Genau. Also können wir auf jeden Fall machen. Aber eines Mal ganz kurz, nur eine Sache. Wenn du zwei Sätze vervollständigt. Und das für die Fragen oder für die oder für die Antwort auf diese Fragen oder diese Vervollständigung habe ich ziemlich lange gebraucht. Mein Leben ist… Punkt, Punkt, Punkt. Und ich bin ein… Punkt, Punkt, Punkt, Mann. Wenn du das kannst. Die beiden Sätze beantworten kannst und die als Leitlinie für dein Leben nutzt. Das ist nicht einmal was, das mache ich mal eben am Klo, ja, sondern da darf ich mir richtig, wirklich Gedanken drüber machen.

ALEX: Macht doch mal ein Beispiel. Was könnten da jetzt stehen?

ERIK: Also bei mir steht z. B. Ich bin ein glücklicher Mann, weil das ist auch eine Entscheidung und mein Leben ist ein großes Abenteuer. Das ist mein Satz seit ungefähr drei Jahren, als ich angefangen habe, mir darüber Gedanken zu machen. Aber die Frage kam, bestimmt ein Jahr vorher und ich habe das X-Mal ausgefüllt und hab es wieder wegradiert oder hab einen neuen Satz gefunden.

ALEX: Muss das immer ein Wort sein oder darf das auch ein ganzer Satz sein?

ERIK: Also ich finde ein Wort gut, weil da liegt der Fokus drauf. In dem Augenblick, wo ich sage ich bin ein glücklicher, fleißiger Mann, dann liegt 50 Prozent auf Glück, 50 Prozent auf Fleiß z.B. nur um irgendwas zu nennen. Ich finde aber, der Fokus sollte auf Glück liegen. Wenn ich also für mich in meiner, meiner Wahrnehmung, jetzt für mich. Und dann setze ich auch den Fokus drauf. Das heißt, dann gehe ich auch diesen Weg, denn das ist eine kraftvolle Entscheidung. Glücklich zu sein ist nichts, was einem passiert, sondern das ist was, das habe ich mal irgendwann entschieden, weil sonst lasse ich ja das ganze Leben mit mir machen, was es will. Ja, so ein paar Dinge darf ich auch mal entschieden haben. Ja, und das ist ganz, ganz wichtig. Und ja, für die, die zuhören vielleicht haben Sie mal Lust, sich diese Sätze mal zu beantworten, dann machen wir das in unseren Seminaren sowieso. Ja, da gibt’s ganz, ganz viele dieser, diese Entscheidungen, die da drinstehen. Und auch ganz wichtig, wenn ich mich heute für eine Sache entscheide, das heißt nicht, dass es für immer so sein muss, sondern ich darf auch gerne neu entscheiden. Also ich kann ja nicht, nicht entscheiden, sonst werde ich entschieden. Entweder entscheide ich selbst oder ich werde entschieden. Also es passiert ja immer was. Ja, genau. Und deswegen kann ich mich bewusst entscheiden. Kann aber auch diese Entscheidung wieder rückgängig machen, revidieren, erneuern und wie auch immer. Je nachdem, wie sich mein Leben entwickelt.

ALEX: Woran merke ich denn, dass ich glücklich bin? Also woran merke ich dann, dass ich mein Ziel erreicht habe? Ist das ein Ziel?

ERIK: Das für mich auch ein Prozess. Ein Weg. Also ich finde Ziele, ja Etappenziele finde ich schön. Ich finde es so, wenn man das mal als Weg betrachtet, dass man einen Berg erklommen hat und da sagt, okay, jetzt bin ich an diesem Punkt angelangt. Jetzt kann ich weiter gehen. Jetzt geht es vielleicht auch ein bisschen leichter. Jetzt geht es wieder ein bisschen bergab. Also bergab. Von wegen, dass ich weniger Anstrengung brauche. Bis zum nächsten Mal. Also es ist immer ein Prozess. Es ist nie ein Ziel. Ich finde ein Ziel schrecklich, weil wenn ich an einem Ziel bin, bin ich danach fertig. Und ich glaube, wir sind nie fertig.

ALEX: Interessant ist ja, wenn du tatsächlich ein Ziel erreicht hast, fühlt sich das ja gar nicht so groß an, weil es ja tatsächlich eine Strecke ist, die es wirklich braucht, um je nachdem, wie groß oder hochgesteckt das Ziel war, ist das natürlich ein Prozess. Und du wächst ja auch dann rein und irgendwann kommst du an und denkst, so und jetzt? Und das weiß man interessanterweise ja auch. Ich meine, ich glaube, bei dem beim Boris Becker war das mal so. Er hat tatsächlich, nachdem er dann Wimbledon gewonnen hatte oder sowas, hat er dann wirklich nichts mehr gehabt. Da war nichts mehr. Und anderen geht das ja auch so, die den Mount Everest bestiegen haben oder die zum hundertsten Mal Formel 1 Weltmeister geworden sind oder irgendwie sowas. Da gibt es sogar mal ein Nichts mehr.

ERIK: Also da gab’s ja sogar mal einen, der ist zum Mount Everest rauf und ist fünf Meter vom Ziel umgedreht, weil er gesagt hat, er möchte dieses Ziel noch behalten. Der ist nicht oben gewesen, dem fehlt das, weil er, weil er einfach gesagt hat, dann ist mein Traum vorbei, ist vorbei. Das war traurig. Der wollte diesen letzten Schritt nicht gehen und hat gesagt, jetzt kann er vielleicht nochmal gehen. Ja. Also ein Ziel. Wenn man das als Etappenziel sieht, finde ich es wunderschön oder als Restaurant am Weg.

ALEX: Als ein Löffel auf der Liste.

ERIK: Wie auch immer, aber nicht als Ziel. Ich finde, Ziel passt nicht. Es ist grausam, an einem Ziel anzukommen.

ALEX: Haben wir als Menschen ein Ziel oder sollten wir eins haben? Also ich glaube, du hast gerade gesagt nein, wir sollten keins haben.

ERIK: Aber ich finde, wir sollten einen Weg gehen. Und dieser Weg, der darf zu Glück, Zufriedenheit und ja zu meinem möglichsten Glück, höchstmöglichen Glück führen. Aber ich glaube, der ist nie zu Ende dieser Weg.

ALEX: Ja, ich glaube. Glück ist ja auch unbegrenzt. Da gibt es ja sozusagen keinen höchsten Punkt.

ERIK: Ja, genau, dass hast du schön gesagt. Alle Achtung!

ALEX: Wie sind wir denn jetzt von Schuld auf Glück gekommen?

ERIK: Komisch, das war gerade auch mein Gedanke. Was kommt für eine Überschrift von Schuld zum Glück? Nein, aber im Endeffekt ist es doch genau so richtig. Wir lassen uns ja auch hier einen Podcast ein bisschen treiben. Ja und ich finde es total wichtig, in Glück zu sein oder zumindest ein möglichst glückliches Leben zu führen. Und dazu gibt es ganz viele tolle Wege und ganz viel schönes Mindset und ganz viele Übungen.

ALEX: Und das heben wir uns für eine andere Folge auf. Das machen wir mal in einer anderen Folge, weil ich glaube, dass wenn wir jetzt damit anfangen, dann können wir die eigentlich schon als nächste Folge dann benutzen. Die müssten wir dann hier schneiden. Und der Witz an der Geschichte ist, viele Menschen fühlen sich unglücklich, sehen aber gar nicht, an welchen Ecken sie tatsächlich Glück empfinden.

ERIK: Genau. Ja, genau das ist auch nicht einfach, wenn du nicht jemanden hast, der dir mal Optionen zeigt und u mal hinguckst und mal Wege aufgezeigt bekommen hast, in Bewusstheit zu kommen, weil bevor du nicht bewusst bist, dir deiner Dinge bewusst bist, dein Mindset bewusst bist, das was du wirklich willst, nicht was du nicht willst, sondern das, was du wählst, bewusst bist, kommst du zu diesen in diesen Zustand des Glückes auch überhaupt nicht.

ALEX: Erik, es war mir wieder ein Fest, mit dir heute gesprochen zu haben.

ERIK: Ist immer wieder eine große Freude, finde ich auch.

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