Podcast #003

Wie Angst entsteht, und wie wir mit ihr umgehen können.

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Angst ist nicht nur in diesen Corona-Zeiten weit verbreitet. Genau genommen haben wir ständig Angst bzw. immer wieder. Denn Angst ist eine völlig natürliche Reaktion unseres Körpers, um uns am Leben zu halten. Angst ist gewissermaßen unser eingebautes Frühwarnsystem und ein völlig natürlicher Vorgang.

In dieser Folge erklären Alex und Erik, wieso diese Ängste entstehen und was Du dagegen tun kannst.

Alex & Erik haben sich auf den Weg gemacht, eine Community für starke Männer und solche, die es werden wollen, zu gründen. Und dabei geht es nicht um körperliche Kraft, sondern um ein starkes SELBST-BEWUSST-SEIN und das bewusste SELBST-WERT-GEFÜHL. Sie wissen noch nicht, wo sie der Weg hinführen wird und so ist auch dieser Podcast der Einstieg in ein großes Experiment. Ausgang ungewiss.

Wir laden Dich ein, dabei zu sein. Zu folgen, zu lauschen und Dich mit Fragen und Kommentaren einzubringen.

Transkript zum Lesen:

 

Wie Angst entsteht, und wie wir mit ihr umgehen können.

 

ERIK: Ja, Thema Angst.

ALEX: Ja, hatte ich vorgeschlagen.

ERIK: Ja, verstehe überhaupt nicht, warum.

ALEX: Das heißt, du verstehst nicht, warum?

ERIK: Scheiß Thema? Nein. Nein. Einer der wichtigsten Themen finde ich. Und das gleich im zweiten Podcast, dass ist.

ALEX: Also ich bin mir sicher, das wird auch nicht das letzte Mal sein. Weil ich hab mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Ich hatte dir ja geschrieben, dass ich ein paar steile Thesen vertrete.

ERIK: Ja, unglaublich. Da mussten wir alle ein bisschen was zu erzählen.

ALEX: Die natürlich. Diesbezüglich und so in der Vorbereitung hab ich mir überlegt, dieses reicht gar nicht für eine Folge. Das ist Thema für irgendwie fünf Folgen oder sowas. Aber lass es uns mal angehen und wir gucken mal, was bei rauskommt. Weil ich bin mir also ich bin mir sehr sehr sicher,  das Thema wird uns noch ganz häufig begleiten, weil es eins der zentralen Themen dieser Zeit ist und es ist auch vor allen Dingen Thema grundsätzlich, also ganz grundsätzlicher Natur ist.

ERIK: Ja, das sehe ich auch so. Deswegen würde ich einfach vorschlagen, das war auch mein erster Gedanke, als ich deine Frage gelesen habe. Lass uns doch erst mal eine Basis schaffen, damit wir überhaupt wissen, wovon sprechen wir überhaupt? Was ist Angst? Was ist Furcht? Was ist da der Unterschied? Was? Was machen wir da? Was lässt bei mir? Wie fühle ich Angst? Wie spüre ich das? Und was ist vielleicht, ja der Auslöser dafür? Aber erst mal im Wording bleiben, bis wir eine kleine Basis kriegen.

ALEX: Einverstanden. Also mit dem wie fühle ich Angst? Da hast du schon einen Punkt angesprochen, der glaub ich der schwierigste überhaupt ist. Da kommen wir sicherlich nochmal dazu. Nämlich die Frage ist, wann empfinde ich überhaupt Angst? Und was löst Angst möglicherweise bei mir auch aus, ohne dass ich wahrnehme, dass es vorher Angst war? Und das ist glaube ich ein ganz wichtiges Thema. Aber da sollten wir am Schluss oder später drauf kommen. Das macht zutiefst Sinn. Also nicht am Schluss, sondern tatsächlich später. Also ich hab mal nachgeguckt. Angst. Angst ist der Begriff. Kommt eigentlich aus dem Lateinischen. Der heißt Angustus oder Angus T.  und bedeutet so etwas wie eng, enge, Beklemmung. Also sowas in der Art. Also das heißt, es entsteht gewissermaßen ein Gefühl der Enge in deinem Körper, was sozusagen als Angst wahrgenommen wird. Demgegenüber Furcht. Es gibt relativ wenig, wie soll ich sagen? Erläuterungen, die ich gefunden habe. Was tatsächlich der Unterschied zwischen Angst und Furcht ist. Ich glaube, im Deutschen vor allen Dingen wird das auch sehr synonym benutzt. Also Furcht ist sowas, also kommt vor wie sowas in furchtbar, fürchterlich oder auch furchtlos. Im Gegensatz dazu. Ist aber etwas, was sozusagen aus der Unmittelbarkeit entsteht. Also das ist zumindest so die Definition, die ich gefunden habe. Angst ist was, was im Kopf entsteht, also durch das Gefühl von Enge und Beklemmung, entsteht so etwas wie ein Gefühl von Angst und Furcht ist etwas, was da ist, wenn ich tatsächlich in einer Bedrohungslage bin. Wie gesagt, wir verwenden in der Regel für beides, also für die unmittelbare Angst, für die unmittelbare Furcht verwenden wir genauso Angst wie für die Angst, die ich mir nur in meinem Kopf irgendwie imaginiere oder die ich mir ausdenke, wenn du so willst. Natürlich ist das nicht in dem Sinne ausgedacht, aber letztendlich ist es tatsächlich das, was im Kopf entsteht, ohne dass eine tatsächliche Bedrohung vorliegt. Und das Interessante ist, dass Angst etwas ist, also die Angst, die sozusagen irreal ist, die ohne unmittelbare Bedrohung zustande kommt, etwas ist, was tatsächlich nur Menschen hinkriegen. Und die Frage ist natürlich, warum kriegen Menschen das hin? Und das hat viel mit Bewusstsein zu tun. Bewusstsein ist etwas, was entsteht mit der Entwicklung der Sprache. Also sobald wir Sprache entwickeln, entsteht unser Bewusstsein. Das kannst du dir ganz einfach vorstellen. Wenn du mal zurück denkst, wann sind deine frühesten Erinnerungen? Dann sind diese Erinnerungen nicht die Erinnerungen an die Geburt, sondern die sind irgendwann später. Somit zwei, drei, bei manchen, vielleicht auch erst mit vier Jahren, entsteht die Situation. In diesem Alter kannst du dich mehr oder weniger bewusst erinnern. Und das hat unmittelbar damit zu tun, dass du in der Zeit auch sozusagen Sprache erwirbst, also deine Muttersprache lernst, zu sprechen lernst. Das heißt, mit dem Sprechen lernen entsteht Bewusstsein und Erinnerungsfähigkeit. Und wir Menschen sind, soweit wir das zumindest wissen, die einzigen Wesen auf diesem Planeten, die in der Lage sind zu erinnern, sich also an etwas Vergangenes, an Erlebnisse aus der Vergangenheit zu erinnern. Und darauf aufbauend in der Lage, in die Zukunft zu projizieren. Das heißt, wir können uns irgendeine Zukunft vorstellen, wie sie ist. Und das entsteht ja nur im Kopf. Das heißt, im Körper sind wir eigentlich nur im Hier und Jetzt. Es geht gar nicht anders. Wir sind ja nicht mit dem Körper in der Zukunft oder mit dem Körper in der Vergangenheit, sondern wir sind ausschließlich mit der Vorstellung in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

ERIK: Aber jetzt mal, jetzt muss ich dich mal kurz unterbrechen. Das wäre ja total simpel, wenn das so wäre, weil dann würde ich doch immer nur was Gutes in meiner in meinem Kopf mir zurecht legen. Also ich projiziere dann nur gute Dinge. Man hätte nie Angst.

ALEX: Ja. Das Problem an der Sache ist man entsteht denn Angst. Wann entsteht Angst? Meistens, wenn du nicht bewusst bist, dann entsteht Angst. Oder aber, wenn du in Situationen gerätst, die du sozusagen mit früheren Erinnerungen verknüpft. Sorgen, Sorgen ist ja so ein Thema, was meistens nachts entsteht. Du wirst irgendwie wach und denkst Huch! Ja. Scheiße. Nee. Die Welt bricht zusammen. Also mir ist das z.B. heute Nacht tatsächlich passiert. Gestern habe ich zwei spannende Artikel in der Zeitung gelesen, die wirklich spannend waren. Einmal über die Situation in USA und einmal über die wirtschaftlichen Prognosen für dieses Jahr. Und was macht mein Unterbewusstsein draus? Oh Scheiße. Die Welt geht unter. Ich werde alles verlieren. Ich werd ne arme Kirchenmaus sein. Irgendwann. Das ist das, was da nachts im Unterbewusstsein oder in deinen Träumen oder wie auch immer entsteht. Du wirst wach. Hast Angst. Manchmal weißt du gar nicht, dass du die. Woher die Angst kommt. Du hast einfach nur Angst, weißt aber nicht, wo sie herkommt. Und manchmal, so wie jetzt in dem Fall, ist es mir bewusst. Das heißt, ich weiß, wo die Angst herkommt. Ich mache mir Sorgen über die Zukunft. Und das macht mir Angst. So okay. Das Spannende an der Geschichte ist tatsächlich Ich weiß ja nicht, wie die Zukunft wird. Ich habe keine Ahnung

ERIK: Warum malst du sie dir denn nicht schön? Weil ja wenn, wenn, wenn ich jetzt bin. Was macht denn da der Kopf mit einem? Ich meine, wenn du denn nur durch so einen Artikel. Also erstmal warum liest du so einen Artikel? Wenn er dir gegebenenfalls solche Sorgen macht? So, das ist das erste. Das zweite ist, warum mache ich mir die Sorgen? Warum entscheide ich mich dann nicht für was Positives? Dann dürfte doch eigentlich mein Kopf mir keinen Streich spielen in der Nacht und mir irgendwelche Sorgen bereiten, die mir Angst machen, oder?

ALEX: Ja, wenn es so einfach wäre. Naja, also ich glaube, dass die Dinge schon von tief unten kommen. Und wenn du. Ich sage mal, wenn du als Kind zum Beispiel traumatische Erfahrungen gemacht hast, dann steckt dir die Angst gewissermaßen in Zellen, in den Knochen. Also du kannst die gar nicht loswerden, weil du hast ja die Erfahrung gemacht, als Menschen, die keine traumatische Erfahrungen gemacht haben oder nicht so schlimme, die haben diese Angst Erfahrungen ja gar nicht gemacht. Das heißt, sie sind, ich sage mal von ihrem gesamten Zell-Gedächtnis her sind die ja viel positiver drauf. Und die haben dann möglicherweise auch weniger Angst und weniger Sorgen. Ja, genau. Also insofern, es ist nicht so leicht, sich einfach nur in positiven Gedanken zu machen und dann zu sagen, Hey, hey, ich hab keine Angst mehr. Alles cool, weil das kommt woanders her. Das kommt sozusagen aus dem.

ERIK: Ja weil wir haben ja auch seine Lebens Strecke. Schon sind wir ja auch schon gegangen und haben aus dieser Strecke ja Dinge mitgenommen. Und da wir ein Gedächtnis bekommen haben, was ja nicht nur in Erinnerung, Gott sei Dank auch in Vorfreude existiert, aber eben auch in Erinnerung und wir uns daraus unser unser Leben gebastelt haben und unsere Glaubenssätze und so weiter. Daraus entsteht dann so die Angst.

ALEX: Und manchmal ist ihr die Angst gar nicht bewusst. Du weißt gar nicht, wo sie herkommt. Dein Körper speichert ja die Situation ab, z. B. keine Ahnung, du hast als kleines Baby im Bettchen gelegen und hast geschrien und keiner war da. Oder du hast viel schlimmer, Du hast dir die Decke über den Kopf gezogen und bist beinahe erstickt oder so irgendwas. Naja, das heißt, diese Angst ist quasi in deinem Körper gespeichert, ohne dass du bewusst weißt, dass das tatsächlich stattgefunden hat. Und das ist sozusagen das wie, das auch genannt wird Zell- Gedächtnis, was entsteht und was dann gegebenenfalls getriggert wird und angesprochen wird. Daraus entsteht sozusagen auch mal eine Angst, tatsächlich in einer Situation, wo du dann eben einen Artikel gelesen hast und auch auf dieses Thema. Warum liest du überhaupt solche Artikel? Ja. Einerseits bin ich ein neugieriger Mensch, aber andererseits und das ist ja das Spannende auch wieder an dem Thema Wahrnehmung von Angst, musst du erstmal drauf kommen, dass dir diese Artikel tatsächlich Angst machen. Und das hat ja ganz viel mit Achtsamkeit zu tun. Also so einfach ist es ja nicht, dass du diese Verknüpfung unmittelbar herstellen kannst. Das bedeutet, dass du zunächst einmal sehr achtsam mit dir umgehen musst und die Frage stellen musst, woher kommt die Angst? Jetzt also diese Verknüpfung. Ich hab gestern Nachrichten geguckt. Ich hab gestern irgendeinen Zeitungsartikel gelesen und er kann durchaus harmlos gewesen sein. Das muss keine dramatische Geschichte über Krieg und Folter und was weiß ich was, Gewalt sein, sondern das kann durchaus etwas Harmloses sein. Eine einfache Nachricht. Und die löst dann bei dir tatsächlich eine Verknüpfung aus. Die triggert dich nicht unmittelbar, nicht in dem Bewusstsein, wo du ja dann sowieso dich dauernd ablenken kannst, sondern dann nachts, wenn dein Geist sozusagen frei, frei fließen kann. Und dann kommt das, kommt die Angst hoch. Also genau das ist es. Ja, also das ist für mich so ein bisschen der Zusammenhang, dass du oder nicht der Zusammenhang, sondern diesen Zusammenhang zwischen dem Lesen eines Artikels oder bestimmter Artikel oder einer bestimmten Aussage in dem Artikel einer bestimmten Vorstellung in dem Artikel. Und deine Angst, diesen Zusammenhang, den musst du durch durch Achtsamkeit, durch bewusstes Wahrnehmen erst einmal herstellen.

ERIK: Okay, wie ist das denn so? Ich meine. Ja, was mir so auffällt, wir spielen ja auch ganz gerne mit der Angst, wir finden ja die Angst auch irgendwie ganz spannend. Weil sonst wird es ja keine Horrorfilme geben. Na ja, wir finden das doch auch irgendwie geil. Also uns mit unserer Angst auseinanderzusetzen, sie zu spüren, weiß ich. Denn ich glaube, Männer würden das manchmal auch ganz gerne tun. Aber wenn Frauen sich das Kissen vors Gesicht halten und sagen, das kann ich mir gar nicht mit anschauen, aber trotzdem immer irgendwie über die Kissenkante noch so kucken, dann ist es trotzdem so, dass wir mit dieser Angst gerne spielen.

ALEX: Ja, der Grusel ist natürlich schon auch so ein bisschen eine Körperempfindung, die man vielleicht auch gerne hat. Ich, ich weiß ja nicht, wie ich. Ich mag keine Horrorfilme.  Ich bin da vielleicht eher der ängstliche Typ. Keine Ahnung. Aber wenn die Spannung einfach zu zu stark wird, dann schalte ich auch ab. Das halte ich nicht aus, weil bei mir ist das so.

ERIK: Früher, als ich mit meiner Angst noch nicht so umgehen konnte, da hab ich die Dinger eher geguckt als heute. Also hab ich mich da einfach drauf eingelassen. Hat einfach so. Ah ja, mitgemacht und voll mit dem Regisseur im Prinzip voll auf den Leim gegangen. Ja und als Zuschauer. Was ich aber noch nochmal sagen wird, das mit der Vergangenheit. Das finde ich total spannend. Was? Was. Was die Vergangenheit mit uns Menschen macht. Dass wir diese Angst empfinden. Ich hatte gerade vor einiger Zeit. Ich mache ja auch so Einzelcoachings, da war eine Frau, die war etwas über 60 und der spuckte immer noch im Kopf rum. Eine Situation bzw. sie war sich gar nicht bewusst. Jetzt Glaubenssätze aus einer Situation entwickelt. Da war sie sechs Jahre alt, da wurde sie mal von der Grundschullehrerin irgendwie in die Ecke gestellt, ohne dass es eine Begründung dafür gegeben hätte oder eine belastbare Begründung. Also ungerechtfertigt. Und dann hat sie Glaubenssätze entwickelt und das spuckt bis heute, sie ist im Prinzip 54 Jahre mit ihrer Grundschullehrerin im System durch durch die Welt gelaufen, ohne es wirklich zu wissen. Und das spricht für den Gedanken, dass du manchmal gar nicht bewusst weißt, woher deine Angst eigentlich kommt.

ALEX: Naja, stell dir mal vor, ich glaube, dass das 99 Prozent aller Menschen so geht. Mehr oder weniger. Weil wir ja alle geprägt sind. Schule spielt ja mit Angst. Schule spielt ja, also hält uns ja sozusagen diszipliniert dadurch, dass wir schlechte Noten schreiben können, dass wir bewertet werden. Und da wir alle die Schule durchlaufen haben, dieses System mehr oder weniger weltweit, entsteht natürlich so ein kollektives, so eine kollektive Angst auch an der Stelle. Aber ich will gar nicht über kollektive Angst sprechen, sondern vielmehr über das, was das mit den Individuen tatsächlich macht. Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du auf der Bühne stehst, vor 10, 20, 100 Leuten stellt sich einfach mal vor, was passiert da?

ERIK: Ja, da ist schon richtig was los, ist da richtig was los in einem? Na klar, da ist ja dieses Lampenfieber. Lampenfieber ist ja auch nur ein anderes Wort für Angst. Genau. Ja. Angst zum Versagen oder so. Und es nicht gut machen.

ALEX: Ich coache ja auch Mensch Menschen zum Thema Präsentationen usw. vor Publikum stehen usw. und es gibt, also wenn du Menschen vor ein Publikum stellst, einfach so, dann können die wenigsten können damit wirklich gut umgehen. Und das soll ja angeblich auch Studien darüber geben, dass die Angst vor Menschen zu sprechen, bei den meisten größer ist als vor dem eigenen Tod. Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Es ist so schwer miteinander zu vergleichen. Ich bin mir wirklich nicht so ganz sicher, aber es hat was ähnliches. Und die Frage, was passiert da in dem Moment in den Menschen? Weil sie stehen doch eigentlich nur von Menschen, sollen irgendwas sagen. Und ich glaube, dass es in uns drinsteckt, bewertet zu werden. Die Angst vor einer schlechten Bewertung, unter anderem ausgelöst durch die Schule, die an der Stelle genau in dem Moment hochkommt.

ERIK: Ja geht ich mit dir ziemlich ziemlich konform, dass ist die eine Seite. Die andere Seite ist aber auch in dem Augenblick, wo ich vor einer Gemeinschaft spreche. Und ich spreche die Gemeinschaft gut an. Das heißt, ich komme, ich komme gut rein, ich in das Gespräch, in den Vortrag. Ich unterhalte die, ich bekomme Aufmerksamkeit und ich bekomme die Anerkennung von diesen Menschen. Dann bin ich integriert. Ja, wenn ich aber dort nicht der Masse oder oder nicht nicht dem entspreche, wie ich eigentlich soll, dann stelle ich mich außerhalb dieser Gemeinschaft. Und dann haben wir wieder dieses uralte Ur-Angstgefühl, was uns in uns allen steckt. Alleine zu sein und nicht dazuzugehören. Ja, aber es entsteht ja vorher. Also du hast die Angst, ja vor Publikum zu sprechen, noch bevor du in Verbindung mit den Menschen in die Verbindung.

ERIK: Ja, genau. Weil du Angst hast, alleine zu sein. Weil das glaube ich, die Grundangst des Menschen ist, immer alleine zu sein. Und in dem Augenblick, wo du es nicht  bringst, vom Menschen zu sprechen, wo du danach nicht in der Sektbar wahrgenommen wirst und beglückwünscht wird für den tollen Vortrag, sondern eher gemieden wirst, weil du, weil du irgendwie Schwachsinn gebracht hast, dann gehörst du nicht dazu. Und das glaube ich. Die größte Angst ist, glaube ich die, die dahinter steckt.

ALEX: Was dir immer genau dann gelingen wird, wenn du so viel Angst vor dem Vortrag hast, dass er in die Hose geht.

ERIK: Ja, korrekt. Also da kann man nämlich zurück zu meinem ganz, ganz wichtigen Punkt, den ich auch am Anfang so meinte. Warum liest überhaupt dein Artikel oder das hab ich auch nicht einfach so gesagt, sondern wo deine  Aufmerksamkeit hingeht, da geht natürlich auch deine Energie drauf. Das heißt, wenn du Angst hast, versammelt vor seinem vor deinem Vortrag also richtig panische Angst und du dir ausmalst, was alles passieren könnte. Und du gibts da ganz viel Aufmerksamkeit rein, was alles passieren könnte, dann ist die Energie auch genau in dieser Negativität. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass genau dieses passiert, ist unglaublich groß. Das hab ich auch in meinem Leben habe ich ganz, ganz viel diese Erfahrung gemacht. Ich war früher ein sehr ängstlicher Mensch, hab vor allen möglichen Dingen Angst gehabt. Und das sind die Dinge, die als erstes passierten, weil ich da meine ganze Aufmerksamkeit rein gegeben habe. Und ich glaube, so ist es mit ganz vielen Dingen. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass man auch vieles jetzt bei gesunden Menschen natürlich vorausgesetzt, auch wie einen Muskel trainieren kann.

ALEX: Da bin ich völlig bei dir garantiert. Aber ich glaube, es ist zu kurz gesprungen. Es ist ein Ticken zu kurz gesprungen. Also du kannst die Angst nicht dadurch auflösen, dass du dir einfach schöne Gedanken machst. Ich glaube das nicht. Das hast du vorhin am Anfang schon gesagt. Stell dir doch einfach was Schönes vor. Und dann ist die Angst weg und dann geht’s dir gut. So einfach ist es glaub ich nicht. Also ich glaube, je tiefer so eine Angst steckt, umso schwieriger ist es letztendlich auch. Und ich glaube, die Lösung ist dann eher zu gucken, wo kommt die Angst her? Wie ist die entstanden? Und noch viel wichtiger zunächst einmal wahrzunehmen, dass die Angst da ist. Weil ich glaube, das können die meisten gar nicht. Na ja, jeder kennt irgendwie Lampenfieber oder so und so weiter. Aber an vielen Stellen merkst du ja gar nicht, dass du Angst hast. Und was die Reaktionen darauf sind, das ist ja dann das Spannende, weil ich hab ja gesagt, ich hab ein paar steile Thesen. Also erste These ist Erziehung, findet also Erziehung, das Kind zu erziehen findet fast ausschließlich über Angst statt. Also indem ich sozusagen dem Kind irgendwas androht, indem ich dem Kind sage, dass es so wie es ist, nicht richtig ist und es sich dadurch nicht geliebt fühlt. Und so weiter. Ja, das funktioniert hervorragend. Das funktioniert hervorragend. Und da wir als Kinder alle so erzogen worden sind, funktioniert es jetzt auch gerade. Ich meine, wir sind ja mittendrin in irgendwelchen Corona Lock Downs, dass die Regierung uns genau über diesen Weg auch wieder Angst machen kann und uns erziehen kann.

ERIK: Aber auf der anderen Seite finde ich einer der schlimmsten Dinge, die wir Kindern antun es, wenn die Kinder zu uns kommen und sagen, oh, ich hab so Angst. Und dann sagen wir denen auch noch och, brauchst doch keine Angst zu haben. Ja, das heißt, wir nehmen es doch nicht einmal ernst, wenn das heißt, die Angst ist. Genau wie du es mir sagen. Du brauchst keine Angst zu haben, aber die Angst ist doch schon da. Angst ist also, anstatt zu sagen, wovor genau hast du denn Angst? Was? Was ist genau dein Thema? Worüber können wir gerade mal? Oder Wo kann ich dich unterstützen? Oder was kann ich dir vielleicht auch mal helfen, diese Angst loszuwerden und aber zu sagen, du hast doch keine Angst zu haben und dass so wegzubügeln, das finde ich eine der schlimmsten Dinge. Auf der einen Seite hantieren wir erzieherisch mit Angst, aber wenn die Angst mal durch was anderes da kommt, sagen wir da brauchst du keine Angst haben.

ALEX: Genau. Also Angst ist etwas, was man sowieso weghaben will. Angst ist etwas, was man nicht haben möchte. Das möchte man nicht fühlen. Das Gefühl von Angst ist furchtbar und das furchtbare, ja. Und deswegen möchte man es weghaben. So aber die Frage ist natürlich auch, warum kommt es überhaupt dazu, dass wir über Angst erziehen? Und dahinter steckt ja nicht, dass wir das das Kind tatsächlich falsch ist. Sondern dahinter steckt ja die Angst, dass es nicht richtig werden könnte, wenn es mal groß ist. Wir Eltern wollen ja nur das Beste für unsere Kinder. Und deswegen erziehen wir unsere Kinder. Und deswegen sagen wir unseren Kindern, wie sie zu sein haben. Und ich glaube, diese Art, dieser Wunsch nach Erziehung ist ja vor allen Dingen begründet in der Angst, unserer eigenen Angst, aus unseren Kindern könnte mal irgendwann nix werden.

ERIK: Genau weil diese Angst ja auch in uns steckt, dass aus uns vielleicht mal nichts werden kann.

ALEX: Genau.

ERIK: Wir projizieren ja ständig

ALEX: Wir projizieren auf unsere Kinder und auch da ist es ganz, ganz wichtig zu gucken, woher kommt mein Ärger, meine Wut, meine, meine was auch immer. Also meine erzieherischen Maßnahmen, meine Androhung wo kommen die eigentlich her? Und die haben ja viel mehr mit mir selber zu tun als mit dem Kind.

ERIK: Ja, absolut, absolut. Aber was machen wir jetzt? Na ja, was denn jetzt? Jetzt haben wir hier, jetzt hier Angst und so weiter. Und du sagst immer so einfach ist das gar nicht mit dem einfach mal was Schönes denken und dann passt das schon.

ALEX: So wie gesagt, ich glaube, die Lösung liegt zunächst einmal darin, wahrzunehmen, wann ich tatsächlich Angst habe. Und das ist verflucht schwer. Also ja, wenn Löwe um die Ecke kommt und mich bedroht oder irgendein Räuber mit einer Pistole, dann ist es klar. Dann weiß ich, dass ich Angst habe und dann weiß ich, dass ich auch reagieren muss. Aber die Angst, die mich sozusagen zu einer bestimmten Art von Verhalten treibt, die muss ich ja erst einmal wahrnehmen. Übrigens, ich hatte ja gesagt, noch ne These. Ich glaube ja, dass der technische Fortschritt, den wir so vehement betreiben und das ganze System, was auf der Ausbeutung der Erde beruht und so weiter letztendlich auch ein Angst-Thema ist. Also ich stell mir das immer so vor. Also damals in der Steinzeit, als die Menschen das Feuer noch nicht beherrscht haben, kam irgendwie der Säbelzahntiger um die Ecke und hat die Leute alle gefressen. Irgendwann haben die aber rausgefunden, weil sie ja sozusagen mit der Sprachentwicklung, also mit der mit der ich sagen, mit der sogenannten phylogenetischen Sprachentwicklung. Also als die Menschheit quasi die Sprache gelernt hat, haben sie reflektiert. Ah, der Tiger hat Angst vor dem Feuer. Oder auch die andere Geschichte. Ohne Feuer frieren wir im Winter, also ist es wichtig, dass Feuer am Brennen zu halten und auch in der Lage, sein Feuer anzünden zu können. Und das ist ja sozusagen der allererste technische Fortschritt gewesen. Also Werkzeuge zu entwickeln, mithilfe dessen du Feuer machen konntest, und ein System zu entwickeln, mithilfe dessen du Feuer am Brennen halten konntest. Bist du noch bei mir?

ERIK: Ja. Ich habe gerade technisches Problem. Siehst du mich noch? Ich sehe dich nicht. Bei mir ist irgendwas. Jetzt bin wieder da. Jetzt bist du da. Okay. Ja. Ich hab nichts angefasst, plötzlich was weiß und ich soll komische naja, egal wo waren wir stehen geblieben? Beim Feuer.

ALEX: Als ersten technischen Fortschritt waren wir stehen geblieben und wo meine Technik versagte. Technischer Fortschritt ist glaube ich oder? Da ist zumindest ein ganz, ganz wichtiger Träger ist die Angst vor dem Säbelzahntiger, weil die irgendwann festgestellt haben, wenn wir Feuer dem Feuer vor die Nase halten, dann haut er wieder ab, weil der Säbelzahntiger selber Angst vor Feuer hat und die Menschen aber in der Lage waren, Feuer zu beherrschen, ihre Angst vor dem Feuer zu beherrschen und anderen sozusagen damit Angst zu machen. Und darauf aufbauend ist dann alles mögliche entstanden. Waffen, von mir aus, aber auch Dinge wie z.B. wie wie ein Haus gebaut wird, wie eine Hütte gebaut wird, um sich vor dem Winter vor der Kälte zu schützen, vor dem Wetter, vor dem schlechten Wetter zu schützen usw. Also Schutz ist sozusagen Schutz fürs eigene Leben ist ein ganz, ganz wichtiger Antreiber für technischen Fortschritt, denn es ist ja total super. Angst ist eigentlich ein super Ding.

ERIK: Ohne Angst hätten wir nie überlebt.

ALEX: Angst hält uns am Leben. Ganz klar. Gar keine Frage. So nur heutzutage haben wir ja Angst vor Dingen, die gar nicht mehr real sind. Also der Säbelzahntiger ist ausgestorben und so kommt kein Tiger so schnell um die Ecke. Also wir haben ja trotzdem und wir reagieren aber unser Körper reagiert ja trotzdem auf Bedrohung von außen, die wir im Kopf als Bedrohung definieren. Also der Chef, der irgendwie stinkig auf uns sein könnte oder der Termin, der eingehalten werden muss, weil auch Firmenchefs agieren ja sehr, sehr gerne mit Bedrohungslagen, weil dann die ganze Firma pleite geht, wenn wir irgendwelche Angebote nicht gewinnen und Abgabetermine verpassen usw.. Also auch hier an der Stelle wird ganz, ganz viel mit Angst agiert. Aber wichtig ist die Angst entsteht ja nur in unserem Kopf. Sie ist ja nicht real. Sie ist total abstrakt. Also wir werden ja nicht unmittelbar mit dem Leben bedroht.

ERIK: Also sprich, wenn ich den Fehler in meinem Kopf irgendwie so hinbekomme, dass er mir dient. Dann wäre doch die Welt in Ordnung. Das mal Ängstliches, Dienendes oder auch mal das, das ich mal ja also das ich mein Kopfkino dementsprechend so programmiere, dass es der Film ist, den ich auch sehen will. Ja, dafür muss ich natürlich. Also du hältst mich auch nicht gerade für super naiv. Aber im Endeffekt ist es doch das. Nur wie komme ich dahin? Das ist, glaube ich der Weg dahin zu kommen, dass der Film in meinem Kopf der ist, den ich haben möchte.

ALEX: Du bist schon so weit. Du bist einen Schritt zu schnell.

ERIK: Ja, genau. Ich bin tatsächlich sage ja, der Weg dahin. Das ist, glaube ich, der entscheidende Weg.

ALEX: Du bist einen Schritt zu schnell. Zunächst einmal ist es so. Stress, den wir auf der Arbeit haben z. B. ist eine Form von Angst. Und das erst mal wahrzunehmen. Das ist der entscheidende Punkt. Und das ist letztendlich auch der Schlüssel dafür, diese Angst zu bewältigen. Also zunächst einmal muss doch klar werden, uns klar werden, wie die Angst überhaupt entsteht und was alles unserer körperlichen Reaktion auch tatsächlich auf einer abstrakten Angst basiert. Also Stress, die Stressreaktion des Körpers z.B. wenn der Adrenalinspiegel hochgeht, wenn ich irgendwie wütend werde, wenn ich Aggressionen entwickle, wenn ich tatsächlich sowas wie Furcht entwickle oder irgendwie nicht weiß, wie ich, wie ich in der Situation klarkommen kann. Es gibt da ja eine Million Möglichkeiten, Stress vor der vor einer Menschenmenge zu sprechen und so weiter und so fort. Sind ja alles Körperreaktionen, die sozusagen wie Angst, wie unter einer aktuellen Bedrohungslage. Es sind die gleichen Körperreaktionen wie immer unter der aktuellen Bedrohungslage. Nur dass ich ja sozusagen entkoppelt bin von der aktuellen Bedrohungslage und die gar nicht wahrnehme. Die Bedrohung, die sozusagen mein Körper wahrnimmt, nimmt mein Kopf ja nicht wahr. Und ich glaube, diese Verbindungen müssen wir erst mal wieder herstellen. Also dass ich sozusagen auf meinem Körper z. B. achte. Eine Lösung könnte z. B. sein,  wie reagiert gerade mein Körper? Kriege ich Schweißausbrüche, wird mir heiß, wird mir kalt, fängt mein Herz an zu rasen und solche Dinge. Also die Wahrnehmung des eigenen Körpers, die Signale da, die der Körper aussendet, die zeigen dir, was eigentlich in deinem Kopf gerade vorgeht.

ERIK: Okay, also geht es darum, erst einmal ganz klar nur wahrzunehmen, was ist. Anzunehmen. Wahrzunehmen. Zu spüren, zu fühlen. Was ist eigentlich bei mir los? Mich selbst im Prinzip kennenlernen, um zu gucken, was macht das gerade mit mir? Was passiert da gerade bei mir? Was passiert gerade mit meinem Körper? Was passiert genau in mir in der Stunde?

ERIK: Ich das? Wo fühle ich das? Was macht das? Wie fühlt sich das an? Ist das ein Positives? Ist das ein negatives Gefühl? Gebe ich dem überhaupt eine Wertung oder mach ich mal, versuche ich mal die Wertung komplett wegzulassen? Weil wenn ich irgendwo einen Druck habe, ist es ja erst einmal nur ein Druck. Oder wenn ich irgendwo eine Enge habe, ist es erst einmal nur eine Enge. Es ist ja gar keine wenn, ich kann es natürlich bewerten, aber das ist jetzt schlecht, oder das ist besonders gut oder wie auch immer. Aber wenn ich das mal versuche, gar nichts zu bewerten oder einfach nur wahrzunehmen und zu gucken, was macht das mit mir? Ich glaube, dann bin ich da schon auf einem ganz wichtigen, richtigen Weg.

ALEX: Das ist genau der richtige Weg. Genau um den geht also diese Wahrnehmung oder deine Wahrnehmung zu schulen im Hinblick darauf, was bei dir tatsächlich passiert. Und dann wird dir durch die Frage zu stellen, wo kommt das her? Was ist die Angst, die tatsächlich dahinter liegt? Ist es die unmittelbare Bedrohung oder ist da irgendwas Altes, irgendeine Erinnerung? Was kommt da gerade hoch? Und ich glaube, das ist eine ganz, ganz wichtige Übung, um sozusagen überhaupt seine Angst zu spüren und wahrzunehmen. Und dann kannst du aufbauend darauf natürlich auch Lösungen entwickeln.

ERIK: Aber let´s get real. Wie kriege ich das denn wirklich jetzt praktisch hin, wenn ich, wenn ich mich jetzt jetzt sage, ich hier irgendwie ja, ich will immer gucken, wie ich das wahrnehme und wichtig ist, sich selbst zu spüren. Aber wie kriegt das den hin  wenn ich davon keine Ahnung habe. Ich höre das das erste Mal so und jetzt? Jetzt kommt mir hier die beiden Onkels und erzähl mir hier irgendwas von Wahrnehmen, von Angst und Gefühlen und wie. Aber wie wie, wie mach ich das denn? Ja, hast du da eine Idee?

ALEX: Ich glaube, du hast. Du hast ja eben gesagt, du hast eben schon gesagt. Also einfach ja. Zum Beispiel auf dann z.B. auf den Körper achten.

ERIK: Ja, aber was mache ich denn, wenn ich jetzt, wenn ich jetzt tatsächlich so eine

ALEX: Angst spür, gerade ja, im Moment, wenn du die Angst spürst. Wunderbar, dann ist die Angst ja schon da.

ERIK: Ja, ja, das ist ja eher ne. Ja, natürlich ist sie da, aber ich nehme sie doch nicht so bewusst wahr. Wir nehmen das doch. Wir haben doch kein kein Bewusstsein-Schulung darin. Ja, wir sagen ewig, oh, ich habe gerade eben ganz komisches Gefühl. Aber das ist wie so ängstlich. Aber dann wollen wir das auch gleich wieder weghaben.

ALEX: Also nimmst du Angst wahr oder nicht? Also wir alle kennen Angst. Wir alle. Klar, Angst. Ja, wir wissen, wie sich Angst anfühlt. Das wissen wir ja. Und wenn wir Angst haben, dann wissen wir, dass wir Angst haben. Also es gibt ja diese zwei Dinge, von denen ich jetzt gerade gesprochen habe. Das eine ist, was ist, wenn wir Angst haben. Dazu gibt es ja wunderbare Übungen und die sind relativ leicht. Und da können wir sicherlich gleich nochmal drauf eingehen. Der Schritt davor ist aber zu gucken, dass ich sozusagen reagiere, dass mein Körper in irgendeiner Form reagiert und ich weiß gar nicht warum und empfinde gar keine Angst. Ich nehme vielleicht bewusst wahr, huch, das gefällt mir jetzt gerade so nicht. Und ich möchte das nicht so haben. Und dann nehme ich mein Handy in die Hand oder macht den Fernseher an und lenkt mich ab. Vielleicht auch ein Buch oder was auch immer. Die bewussteren Menschen gehen dann spazieren. Also dass das der Versuch, sozusagen diese Angst, die ich gar nicht haben will, die versuche ich ja zu verdrängen. Schnellstmöglich. Also in der Situation, wo ich Angst wahrnehme, bin ich ja schon einen ganzen Schritt weiter. Und das ist wunderbar.

ERIK: Richtig. Aber was ich, was ich ganz klar meine, ist, ich kenne ganz wenige Menschen, die sagen okay, ich spüre gerade Angst. Ja, ich kenne dieses Gefühl. So, dann finde ich, die in diese Bewusstheit geht. Genau. Wo spüre ich denn gerade meine Angst? Wo ist sie ganz genau. An welchem Punkt habe ich sie? Wo kann ich sie festmachen? Wo. Wie fühlt sich das ganz genau an? Eng, weit, hell, dunkel, fest, frei oder kalt? Heiß? Je nachdem. Wie fühlt sich das wirklich an, mich mal wirklich zu analysieren? Ah, da ist genau jetzt meine Angst. Genau da steckt sie. Und das ist das, worauf ich hinauswollte. Natürlich kennen wir alle das Gefühl von Angst, aber ich glaube, ganz wenige sagen, ah, hallo Angst. Wo fühle ich dich gerade? Ja. Sondern wir wollen es eben. Wie wir machen uns den Fernseher an, wie du richtig sagst. Oder wir gehen spazieren. Wir wollen es einfach nicht spüren. Wir wollen es weghaben, anstatt mal reinzugehen und zu sagen, dieses Gefühl ist genau das Gefühl, was mich gerade weiterbringt. Hallo Gefühl. Wo fühle ich dich? Und dann gehe ich mich mal richtig mit der Angst auch mal anfreunden. Ja, weil wie wir gerade festgestellt haben, ist es ja so, dass diese Angst uns unser Überleben rettet. Ja, unser Leben auch ein Stück weit lebenswert macht. Wenn wir keine Angst hätten, dass wäre keine Lebensqualität. Aber wie gehe ich damit um, dass es nicht zu einer großen Sorge wird oder einer Panik wird oder so, sondern dass ich einfach diese Angst mal in mir wahrnehme, begrüße, wertschätze. Vielleicht sogar, wenn ich einen Schritt weiter gehen und sage, hallo, da bist du und ich spüre ich genau dort. Und wenn du übermorgen wieder kommst, dann weiß ich, aha, du wirst vermutlich wieder genau da sein. Da sitzt meine Angst. Wie schön! Hallo, ich freue mich, dass du da bist, weil du sicherst mir mein Überleben.

ALEX: Ja, ich finde ja. Ich glaube, wir sollten zu diesem Thema vielleicht nochmal separat dazu was aufnehmen. Vielleicht, dass wir da eine Übung machen, wie ich meiner Angst auf positive Weise begegne. Also für die, die sich sozusagen der Angst selber bewusst sind. Und vielleicht auch nochmal eine Übung dazu, wie ich überhaupt wahrnehme, was in meinem Körper gerade passiert und was das für ein Gefühl ist. Also diese 2 Unterschiede. Vielleicht machen wir doch was dazu.

ERIK: Ja. Ein Podcast der nicht im Auto zu hören ist. Weil da wird mir ab und an mal die Augen zu machen.

ALEX: Augen zu machen. Mmh.

ERIK: Ja, man hat ein Zuhause-Podcast wird das dann ein Zuhause? Podcast?

ALEX: Ja, sehr gut. Machen wir den. Verlinken wir dann in den Shownotes unter dieser  Folge. Und ja, eine These, eine These habe ich noch. Ich behaupte, Männer sind ängstlicher als Frauen.

ALEX: Männer können schlechter mit ihren Ängsten umgehen als Frauen und deswegen fangen sie Kriege an. Fangen an, sich mit anderen Menschen zu prügeln, schlagen ihre Kinder, schlagen ihre Frauen. Nutzen sozusagen ihre Stärke und ihre natürlich vorhandene Aggression und schädigen sich damit letztendlich selber. Also machen erst einmal um sich herum alles kaputt, aber schädigen sich damit letztendlich selber. Wie siehst du das?

ERIK: Ich finde es eine sehr pauschale Gedanke, natürlich.

ALEX: Nicht alle Männer, klar.

ALEX: Aber so sehr pauschal, ja. Also ich kann damit. Ich gehe damit auch in Resonanz. Ja, das stimmt schon. Das bestimmt was Wahres dran. Ja, also ich glaube das auch tatsächlich, dass ich glaube, dass es vielleicht Männer gar nicht mehr Angst haben, sondern dass Frauen einfach anders mit ihrer Angst umgehen. Das ist glaube ich eher mein Thema, dass die kommunikativer sind. Sich dann schneller Hilfe holen und sagen, ich möchte das auch gerne jemandem erzählen können und dadurch lassen sie die Angst nicht zu groß werden. Ich glaube, bei Männern ist es eher so, die wollen das mit sich selbst abmachen. Wollen, für die ist Hilfe eine zum Teil vielleicht auch ein Glaubenssatz von früher, ein Zeichen von Schwäche. Und das suchen sie nicht unbedingt, sondern sie versuchen das unter ihresgleichen praktisch durch entweder Aggression oder durch durch Aktionen wegzumachen. Ob die nun auf den Fußballplatz gehen oder was weiß ich was. Frauen suchen sich eher Kommunikationshilfe und sprechen über diese Themen. Ich glaube, da liegt eher der, dieser Eindruck begraben, Männer hätten mehr Angst. Ich glaube, dass sie nicht mehr Angst haben. Ich glaube einfach, die gehen nicht so gut damit. Oder was heißt das jetzt? Wertung. Gehen da deutlich anders mit mit um.

ALEX: Einverstanden. Du hast recht. Sie haben nicht mehr Angst. Aber sie haben weniger Zugang zur Angst.

ERIK: Genau. Und wissen weniger, was zu tun ist. Und deswegen halte ich unseren Podcast auch für so extrem wichtig. Ja, ich glaube, damit können wir ein Stück weit etwas bewegen unter den Männern, dass wir auch besser damit umgehen können, dass wir auch kommunikativer werden, was das angeht. Uns mehr kennenlernen, unsere Gefühlswelt kennenlernen. Das geht immer nur um Gefühle, Gefühle, Gefühle, Gefühle. Und da brauchen Männer meiner Ansicht nach auch gerne ein bisschen Support, ein bisschen Unterstützung. Wie fühle ich denn überhaupt? Weil ihr durften ja auch in unserer Vergangenheit nicht so gerne fühlen, oder? Es war nicht so angesagt, dass man darüber spricht, wie man fühlt. Auch dass man Angst hat. Das ist leichter als Weichei oder NATO-Manöver oder gleich abgeprüft und dann gehörst du nicht mehr dazu. Also hast du dann gesagt, nee, ich halt mal lieber meine Klappe, mach das mit mir aus. Und ja, ich glaube, das ist ein gutes Thema. Die Offenheit oder die, diesen Raum zu öffnen für auch diese Themen.

ALEX: Dem hab ich nichts mehr hinzuzufügen.

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